2018 Museo Naturalistico del Monte Soratte, Sant'Oreste, Rom, Italien

„Voices of the World“ – „Voices of Freiburg“

Prof. Andrea B. Del Guercio


Voices of the World ist ein partizipatorisches Kunstprojekt im Spannungsfeld von Kunst, Kultur, Wissenschaft und Konfessionen. Es ist eine künstlerische Forschung, die Teilnehmer*innen aus der ganzen Welt einbezieht und danach fragt, welche tiefen Überzeugungen, welche Werte die Menschen im Herzen tragen. Die Künstlerinnen Annemarie Matzakow und Maria Cristina Tangorra schaffen aus diesen Beiträgen eine begehbare Installation in Wort und Bild. Sie laden ein zu einem Dialog der Religionen. Das enorme Potential dieses work-in-progress Projektes wurde mit der ersten Installation 2017 erkennbar und setzt seitdem international Impulse.

Die Künstlerinnen und ich als Kurator sind stolz und dankbar, die Erzdiözese Freiburg als Kooperationspartner und Förderer an unserer Seite zu wissen. Zusammen mit internationalen Gastkünstlern, Kunstkritikern und Geistlichen wollen wir Brücken bauen zwischen Kirche und Kunst und zwischen den Konfessionen, in Europa und weltweit.

Schauen wir zurück auf die Beziehung von Kunst und Kirche im 20. Jahrhundert:
1965 schrieb Papst Paul VI an die Künstler: „Heute wie gestern braucht die Kirche euch.“
Papst Johannes Paul II drückte es 1999 folgendermaßen aus:
„Um die Botschaft Christi weiter zu geben, braucht die Kirche die Kunst.“
Papst Franziskus setzt sich heute, im Jahr 2019, aktiv für Ökumene und den interreligiösen Dialog ein.

Voices of the World steht im Kontext dieser pastoralen Botschaften und positioniert sich: Impuls gebend, Brücken bauend und zum Dialog einladend.

Die künstlerische Vorgehensweise gliedert sich, bezeichnend für Projekte mit sozialer Partizipation, in mehrere Phasen: Den Auftakt bildet eine herausfordernde Fragestellung. Gespräche in einer Atmosphäre respektvoller interkonfessioneller Offenheit und persönliche Interviews schließen sich an. Darauf folgen das Zusammentragen, Editieren und das visuelle Interpretieren der Texte. Kostbare und sehr private Gedanken werden offenbart. Die Künstlerinnen fassen die gesammelten Beiträge zu einer Sozialskulptur zusammen und ermöglichen auf diese Weise dem Rezipienten einen direkten Vergleich zahlreicher Meinungen. Durch die Wahl des Buchständers als sich wiederholendes Element der Installation wird zeitgleich das Lesen und visuelle Erfassen ermöglicht, was gemäß Victor Hugo den Betrachter in einen Raum gesteigerter Sensibilität führt.


L‘homme regarde, l‘homme écoute; peu à peu, il fait plus que regarder, il voit; il fait plus qu‘écouter, il entend. Le mystère de l‘Art commence à opérer; tout oeuvre d‘art est une bouche de chaleur vitale; l‘homme se sent dilaté...“
Victor Hugo „Lutilité du beau“ 1901 Edition Manucius Paris.

Moderne Kunst und interdisziplinäre Kunstaktionen schaffen aktuell immer häufiger eine Synergie zwischen zeitgenössischer Ästhetik und liturgischen Orten. Bildende Künstler*innen verstehen sich als visuelle Interpreten von Glaubenserfahrungen. Sie legen selbstbewusst Zeugnis ab und leisten mit den Mitteln der Kunst einen eigenen Beitrag zum theologischen Diskurs.

Wir sind überzeugt, dass die Kirche  im 21. Jh. eine solche chromatische und plastische Revitalisierung durch die Kunst erwartet und wünschen uns, mittels Bild und Wort einen Beitrag auf der spirituellen Ebene zu leisten, so wie es im Bereich der zeitgenössischen sakralen Musik bereits gelingt.

Prof. Andrea B. Del Guercio
Lehrstuhl für Geschichte der modernen und zeitgenössischen sakralen Kunst
Accademia di Belle Arti di Brera Milano I